Entwicklung und Geschichte zum Thema Bauen

Bauen gilt als Grundbedürfnis und sozialer Akt –  ein Abriss im schriftlichen Seminarbeitrag

Referent Erik Mozanowski (Autor des Fachwerkes „Investieren in Denkmale“) führt im Rahmen einer Seminarveranstaltung in der Brunzel Bau in Velten (bei Berlin) am 25.09.2013 die interessierten Teilnehmer in die Geschichte und Entwicklung des Bauens ein. Unter dem Thema: „Bauen gilt als Grundbedürfnis und sozialer Akt – Vergangenheit und Heute“ wurden Erfahrungen und Meinungen diskutiert und ausgetauscht. Eric Mozanowski gilt als Fachmann im Bereich Denkmalpflege, Denkmalschutz, Erhalten und Erneuern und veröffentlicht regelmäßig Seminarbeiträge zu diesen aktuellen Themenbereichen.

Gebäude bieten Schutz vor der Witterung und den wilden Tieren

Entwicklung und Geschichte zum Thema Bauen

Entwicklung und Geschichte zum Thema Bauen

Das Bauen erfüllt anders als alle anderen Kunstgattungen zuallererst das menschliche Grundbedürfnis nach Sicherheit. Wo Menschen leben, gibt es Häuser, Hütten, Zelte. Aber natürlich spielen beim Bauen auch seelische und geistige Bedürfnisse eine wichtige Rolle: „Die eigenen vier Wände“ und „Das Dach über dem Kopf“ trennen die Menschen seit jeher von der sie umgebenden Umwelt und schaffen eigene, menschliche Dimensionen. Bauen verändert natürlich auch den Außenraum, wie den Hof, das Dorf und die Stadt. Sie gelten als künstliche Umwelten, die der Natur abgerungen wurden.

Heute wie in der Vergangenheit werden Fragen zu den Zusammenhängen und das Verhältnis der Gestaltung Innen- und Außenraum, das Denken der Verantwortlichen gestellt und bleiben unweigerlich aktuell:  Wer lässt bauen? Woraus besteht die die Außenhaut;  aus dicken Mauern oder Glaswänden? Wer führt den Bau aus? Für wen und für welchen Zweck wird gebaut? In welcher Form und mit welchen Materialien? Nicht jeder Bau soll ein Repräsentationsbau darstellen, aber jeder Bau präsentiert den Geist seiner Zeit. Dabei präsentiert der Bau, das Bauobjekt mehr als jede andere menschliche Schöpfung, die gesellschaftlichen Verhältnisse.

Bauen ist ein sozialer Akt, der fast immer in der Öffentlichkeit stattfindet.

Erik Mozanowski hierzu: „Aufwendige Bauten spiegeln wieder, welche Personen oder Zwecke den herrschenden Gruppen einer Gesellschaft gerade wichtig sind: Macht und Vermögensverhältnisse. Deshalb ist es kein Zufall, dass die Geschichte der Architektur, des verfeinerten, durchdachten Bauens, wesentlich von Sakralbauten geprägt ist. Denn wie die Geschichte und Historie deutlich macht, bedient Religion die vielleicht wichtigsten seelischen Grundbedürfnisse der Menschen, dem Dasein einen Sinn zu verleihen, das Unbegreifliche zu erklären. Parallel zu den Gebäuden für Menschen entstanden Wohnstätten für Gottheiten.“

Sonnenstrahlen aus Stein

Wie bei den anderen frühen Hochkulturen der Menschheit hat auch von den Wohnstätten des alten Ägyptens kaum etwas die Zeiten überdauert. Geblieben sind nur die zu Kultzwecken dienenden Grabmäler. Die Existenz Ägyptens war abhängig vom Nil. Der wiederkehrende Rhythmus der Überschwemmungen hinterließ eine Schicht aus fruchtbarem Schlamm, diese wirkten nicht verheerend, sondern lebensspendend. Dies beeinflusste das Weltbild der dort lebenden Menschen und der Tod galt als Übergang in eine andere Lebensform. Aus diesem Verständnis heraus entstanden die Pyramiden. Der Bau dauerte oft ein ganzes Lebensalter; Hunderte von Arbeitern wurden in der Nähe des Bauplatzes angesiedelt und viele verloren beim Versetzen der tonnenschweren Steine ihr Leben.

Die Königsgräber wurden zu Monumenten, die aber vor allem in dem Bestreben zu religiöser Symbolik begründet liegt: die Stufenpyramide als versinnbildlichte Treppe, auf der der tote Pharao in den Himmel steigt. Dieser Stufenbau war zugleich Abbild der Gesellschaftshierarchie und galt als unzerstörbarer Garant für die ewige Gültigkeit der ägyptischen Kultur.

Eric Mozanowski diskutiert mit den Teilnehmern im Anschluss die Frage nach der heutigen Sichtweise und der Beständigkeit. Konservatorische Maßnahmen und die Wiederherstellung von historischen Gebäuden sind oft vergleichsweise aufwendig und teuer. Warum den „alten Kasten“ nicht einfach abreißen und an seine Stelle einen funktionalen Neubau erstellen? Wahrscheinlich, weil Neubauten nun einmal keine Vergangenheit haben und im Zeitalter des seriellen Bauens den Charme des Einzigartigen entbehren.

V.i.S.d.P.:

Heiko Brunzel

Bauunternehmer

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